Forderungen für die zukünftige Nutzung des Lagerhaus G

Am 25.05.2019 sind wir mit einer antifaschistischen Fahrraddemonstration vom Stadthaus zum Lagerhaus G am Dessauer Ufer gefahren. Mit dem Motto ‚Erinnerungsorte aufbauen, Faschismus abreißen‘ haben wir Orte nationalsozialistischer und kolonialer Vergangenheit aufgesucht und für ein aktives Lernen und Erinnern demonstriert. Erinnern ist eine gegenwarts- und zukunftsbezogene Praxis, das haben wir mit 250 Demonstrant*innen lautstark formuliert und fordern, dass Erinnerungsorte sichtbar und erfahrbar in einer Gegewart sind, die sich dem Diskurs aufkeimender rechter Tendenzen stellen muss.

Das Lagerhaus G auf dem Kleinen Grasbrook kann ein Erinnerungs- und Lernort im Herzen der wachsenden Stadt Hamburg sein. Zugleich bietet das Gebäude die Chance den Bedürfnissen der angrenzenden Stadtteile Raum zu geben. Wir senden von unserer Demonstration Forderungen für die zukünftige Nutzung dieses Gebäudes und zeichnen das Bild eines stadtteilbezogenen Ortes, der Erinnern, Lernen und Begegnungen für eine solidarische Gesellschaft schaffen kann.

Die Forderungen für die zukünfitge Nutzung des Lagerhauses G:

IniDesUfer Nutzungskonzept

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Letzte Infos zur Demo

Am Samstag wird die antifaschistische Fahrraddemo vom Stadthaus mit Zwischenkundgebungen zum Lagerhaus G auf dem Kleinen Grasbrook ziehen. Hier Informationen zur Route, dem Programm und der Organisation.

Treffpunkt 17:30 Uhr am Stadthaus (Ecke Neuer Wall/Stadthausbrücke)

Ein kreativer, antifaschistischer Ausdruck und Fahrräder sind erwünscht. Parteiwerbung nicht.

Zwischenkundgebungen // Route:

  • Hannoverscher Bahnhof
  • Petersenkai
  • Freihafenelbbrücke
  • Abschlusskundgebung: Lagerhaus G /Dessauer Ufer (Dessauer Str.)

Abschlusskundgebung // KüfA // Konzert // Projektion

Wenn die Demo beim Lagerhaus G ankommt, gibt es nach einigen Informationen erstmal eine köstliche vegane KüfA (Küche für Alle).

Gegen 20:00 Uhr wird die Rapperin Marap mit weiteren special guests live performen.

https://www.facebook.com/asmarasworld

Anschließend stellt die Initiative Dessauer Ufer ein erstes mögliches zukünftiges Nutzungskonzept für das Lagerhaus G vor.

Das Ende wird eine Projektion setzen, die uns ermöglichen soll Zeitzeuginnen im Video zu erleben.

Ab 22 Uhr steht das Café Nova für eine After-Demo-Kneipe offen und alle sind eingeladen den Abend dort ausklingen zu lassen.

Wer nicht Teil der Demonstration sein kann aber die Initiative Dessauer Ufer trotzdem kennenlernen möchte, ist herzlich zum nächsten offenen Treffen eingeladen:

  1. Juni 2019 – 20:00 Uhr // Ort: Café Nova (Veddel)

Erinnerungsorte aufbauen, Faschismus abreißen!

 

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Aufruf zur Antifaschistische Fahrraddemo – Samstag 25.05.2019

 

Den Aufruf als PDF gibt es hier zum Download!

 

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Antifaschistische Fahrraddemo – Samstag 25.05.2019

Erinnerungsorte aufbauen – Faschismus abreißen!

Hiermit kündigen wir an, dass am 25. Mai eine Demonstration in Hamburg stattfinden wird, die den Fokus auf Erinnerungsorte und die Kämpfe darum setzt.
Erinnern und kritisches Gedenken ist eine antifaschistische Praxis, ist Lernen für die Zukunft und eine Auseinandersetzung mit Hamburgs Verbrechensgeschichte.
Mit einer Fahrraddemonstration vom Stadthaus, das im Nationalsozialismus für Folter und Verfolgung genutzt wurde, zum Lagerhaus G auf dem Kleinen Grasbrook, welches als Außenstelle des KZ Neuengamme u.a. für die Unterbringung von Zwangsarbeiter*innen herhielt, sollen aktuelle stadtpolitische Kämpfe um Erinnerungsorte aufgezeigt werden und gleichzeitig ein antifaschistisches Signal von der Straße gesendet werden.

Auftakt der Fahrraddemo ist Samstag, der 25.05. um 17:30.

Ort und weitere Informationen, sowie ein ausführlicher Aufruf mit Hintergrundinformationen zu der Route und den Erinnerungsorten folgen.
Save the date! Erinnerungsorte aufbauen – Faschismus abreißen!

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Aufruf zum Erhalt und zur Erschliessung des Lagerhauses G am Dessauer Ufer als Gedenkort

Angesichts des Umgangs der Stadt Hamburg mit ihren Gedenkorten,
an denen die Verbrechen der Nationalsozialisten stattgefunden haben,
möchten wir, die Initiative Dessauer Ufer, an einen Ort erinnern, der
seit 1945 brach liegt und an dem sich ein weiteres Kapitel des von den
Nazis verübten Unrechts ganz konkret erfahren lässt.

Das Lagerhaus G am Dessauer Ufer befindet sich auf dem Kleinen
Grasbrook im ehemaligen Hamburger Freihafen in unmittelbarer
Nachbarschaft zur Veddel. Der Speicher, der ab 1903 im Rahmen
der damaligen Hafenerweiterung als Tabaklager u.a. für Reemtsma
errichtet wurde, diente im NS als Außenlager des KZ Neuengamme.
Von Juli bis September 1944 wurden dort 1500 jüdische Frauen
aus Tschechien und Ungarn, direkt anschließend bis Ende
Oktober 1944 2000 männliche KZ-Häftlinge inhaftiert. Alle dort
untergebrachten Häftlinge mussten im Rahmen des sog. „Geilenberg-
Programms“ Bau – und Auffräumarbeiten verrichten, u.a. bei den
Hamburger Wasserwerken, bei Mineralölfirmen und neben weiteren
Hafenbetrieben auch bei der Reichsbahn.

Am 25.10.1944 starben bei einem alliierten Bombenangriff auf das
Lagerhaus ca. 150 KZ-Häftlinge. In einer zweiten Phase wurde das
Lagerhaus G ab 15.2.1945 mit 800 männlichen KZ-Häftlingen belegt.
Neben der Nutzung als KZ-Außenlager gab es im Lagerhaus G auch
ein Zwangsarbeitslager für Italienische Kriegsgefangene.
Im Inneren des Gebäudes lassen sich bis heuten Spuren der damals
Inhaftierten finden, z.B. in Form von Inschriften in Betonfragmenten
samt Jahreszahl und Namensnennung. Auch ein von den Bewachern,
zumeist Bedienstete des Hamburger Zolls, genutzter Verschlag samt
Einrichtungsbestandteilen steht dort noch herum, bedeckt von einer
dicken Staubschicht – unbeachtet und unerforscht.

Seit 1998 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es wurde damals
durch den Verkauf an einen privaten Eigentümer vor dem von der
HHLA als letzte Eigentümerin bereits beschlossenen Abriss bewahrt.
Lagerhaus G ist eines der letzten erhaltenen Bauwerke, die in
Hamburg als KZ-Außenlager gedient haben. Wer in den letzten
Wochen aufmerksam die Hamburger Presse verfolgt hat, weiß, daß
das Dessauer Ufer auf dem Kleinen Grasbrook sich in einem Gebiet
befindet, das für Stadtplaner und Investoren wie auch schon zu
Zeiten der unsäglichen Hamburger Olympiabewerbung ganz weit
oben auf der Liste der neu zu erschließenden Stadtgebiete steht.
Allein das Grundstück, auf dem das Lageraus G steht, momentan
noch im Besitz der HPA (Hamburg Port Authority), wird in diesen
Kreisen mit einem aktuellen Verkehrswert von 50 Millionen Euro
taxiert. Die Besitzverhältnisse des Lagerhauses G sind nach der
Insolvenz seines letzten Besitzers umstritten. Das Gebäude selbst
hat nach unseren Recherchen einen großen Sanierungsstau, der
seit vielen Jahren, nicht zuletzt auch wegen des bestehenden
Denkmalschutzes angemahnt, jedoch nur bedingt in Angriff
genommen wurde. Es ist absehbar, daß der Grund und Boden, auf
dem das Gebäude steht, in naher Zukunft der Hafencity AG zur
weiteren Entwicklung überantwortet werden wird. Diese besitzt den
Auftrag, jene Flächen wie im bereits realisierten Teil der Hafencity
an Investoren zu verkaufen, die versuchen werden, den maximalen
Profit aus den Grundstücken herauszuholen.

Wenn man sich daran
erinnert, daß vor ein paar Jahren bei der gleichen Gemengelage
fast die Reste des Hannoverschen Bahnhofs zerstört wurden, von
dem aus die Sinti und Roma sowie die Juden der Stadt Hamburg
in die Vernichtung deportiert wurden, kann man ahnen, welches
Schicksal dem Lagerhaus G am Dessauer Ufer droht. Daher gilt es,
dem drohenden Abriss durch HPA oder Hafencity AG bzw. einer
Verwertung durch private Investoren samt einer stadthausartigen
Privatisierung des Gedenkens entschieden entgegenzutreten.
Wir fordern den Erhalt des Lagerhauses G sowie seine Erschliessung
und Erforschung als Gedenkort. Dieses Gebäude darf nicht
dem ungezügelten Geltungsdrang der Stadt Hamburg oder den
Profitmaximierungsgelüsten etwaiger Investoren preisgegeben
werden. Das Lagerhaus G muss als Gedenkort entwickelt und der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wir schauen genau
hin, was die Stadt am Dessauer Ufer plant und erwarten, daß sie an
diesem Ort ihrer historischen Verantwortung endlich gerecht wird.

Initiative Dessauer Ufer

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